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Heizentscheidung

Wärmeplan Stuttgart: Was Eigentümer jetzt wissen müssen

Stand: Baden-WürttembergPrüfung: Redaktion (Primärquellen)

Kurz gesagt

  • Stuttgart hat seinen Wärmeplan als eine der ersten deutschen Großstädte bereits Ende 2023 beschlossen und 2026 fortgeschrieben.
  • Das Ziel der Stadt ist sehr ambitioniert: Klimaneutralität bereits bis zum Jahr 2035.
  • Für 53 Quartiere sieht der Plan einen Ausbau der Fern- oder Nahwärmenetze vor (über 40.000 anzuschließende Wohneinheiten).
  • Die EnBW stellt die Stuttgarter Fernwärme 2026 im Rahmen des 'Fuel Switch' von Steinkohle komplett auf Gas und künftig Wasserstoff um.

Stand der Wärmeplanung in Stuttgart

Der Stuttgarter Gemeinderat hat den kommunalen Wärmeplan bereits am 14. Dezember 2023 beschlossen (Vorreiterrolle durch das Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg). Im Laufe des Jahres 2026 erfolgte die planmäßige Fortschreibung.

Klimaneutrale Landeshauptstadt bis 2035 (Zielbeschluss des Gemeinderats).

Vollständige Dekarbonisierung bis 2035. Ersatz der Kohlekraftwerke Münster und Gaisburg durch moderne Heizkraftwerke, Großwärmepumpen am Neckar und Abwärmenutzung.

Welche Gebiete der Plan unterscheidet

Der Wärmeplan ordnet jedem Stadtgebiet eine voraussichtlich passende Art der Wärmeversorgung zu. Welche Kategorie für Ihre Adresse gilt, sehen Sie in der offiziellen Karte der Stadt.

  • Fernwärme-Verdichtungsgebiete

    Gebiete entlang des bestehenden rund 218 Kilometer langen EnBW-Fernwärmenetzes (vor allem Kernstadt und Neckartal).

  • 53 Neu-Erschließungsquartiere

    Ausgewählte Stadtteile, in denen neue Nah- und Fernwärmenetze prioritär aufgebaut werden sollen.

  • Dezentrale Wärmepumpengebiete

    Hang- und Höhenlagen sowie Vororte mit lockerer Bebauung, in denen vorrangig Luft- und Erdwärmepumpen empfohlen werden.

Gibt es einen Anschlusszwang?

Die Stadt Stuttgart schreibt keinen flächendeckenden Anschluss- und Benutzungszwang für Bestandsbauten vor. Die Planung dient der Orientierung und Netzentwicklung.

Gut zu wissen: Ein Anschluss- und Benutzungszwang (ABZ) darf von Kommunen nur auf Basis des jeweiligen Landesrechts (z. B. Gemeindeordnung) und einer örtlichen Satzung erlassen werden (§ 109 GModG). Bei Vorliegen einer Satzung können Eigentümer Befreiungsanträge nach den satzungsspezifischen Ausnahmetatbeständen stellen. Für privatrechtliche Lieferverträge besteht zudem ein zweimonatiges Kündigungsrecht nach § 3 Abs. 2 AVBFernwärmeV beim Umstieg auf erneuerbare Energien. Mehr zu Rechten, Ausnahmen und Satzungen im Städtevergleich.

Was Fernwärme in Stuttgart kostet

Die Preise stammen von der Preistransparenzplattform Fernwärme der Branchenverbände AGFW, BDEW und VKU. Es sind Mischpreise inklusive Grundpreis und 19 Prozent Mehrwertsteuer. Für Einfamilienhäuser rechnet die Plattform mit 15 kW Anschlussleistung und 27.000 kWh im Jahr. Weicht Ihr Verbrauch stark ab, ändert sich Ihr tatsächlicher Preis pro kWh.

Fernwärmepreise in Stuttgart
NetzEinfamilienhausMehrfamilienhausErneuerbar / AbwärmePreisstand
EnBW Energie Baden-Württemberg AG
Fernwärmenetz Mittlerer Neckar / Stuttgart
15,80 ct14,60 ct25 %01.01.2026

Datenstand der Plattform: 1. September 2026. Anschlusskosten sind in den Preisen nicht enthalten.

Fernwärme oder Wärmepumpe: Ihre Kosten in Stuttgart

Der Rechner ist mit dem Fernwärmepreis von EnBW Energie Baden-Württemberg AG (Fernwärmenetz Mittlerer Neckar / Stuttgart) vorbelegt. Tragen Sie Ihren eigenen Verbrauch und, wenn vorhanden, konkrete Angebote ein.

Funktioniert eine Wärmepumpe auch im Altbau mit bestehenden Heizkörpern? Lesen Sie unseren Leitfaden zum 55-Grad-Praxistest und Fraunhofer-Messdaten.

Alle Felder sind mit Beispielwerten vorbelegt. Ersetzen Sie sie durch Ihre eigenen Zahlen, das Ergebnis aktualisiert sich sofort.

Ihr Haus
kWh

Steht auf Ihrer Gas- oder Fernwärmeabrechnung. Bei Öl: Liter mal 10 ergibt ungefähr kWh.

Fernwärme in Stuttgart
ct/kWh

EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Fernwärmenetz Mittlerer Neckar / Stuttgart: Mischpreis Einfamilienhaus, Preisstand 01.01.2026.

€

Beispielwert. Die Kosten unterscheiden sich stark je Netz und Leitungslänge. Fragen Sie beim Versorger ein Angebot an.

€

Zum Beispiel Wartung der Übergabestation. Beispielwert.

Wärmepumpe
€

Beispielwert für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Bestand. Ihr Angebot kann deutlich abweichen.

Wie viel Wärme aus 1 kWh Strom entsteht. In gut geplanten Bestandsgebäuden oft zwischen 3 und 4.

ct/kWh

Wärmepumpentarife lagen 2026 laut Vergleichsportalen meist zwischen 20 und 28 ct/kWh.

€

Wartung, Grundpreis des Zählers. Beispielwert.

Förderung (KfW 458)

Unter anderem: Austausch einer funktionstüchtigen Öl-, Gasetagen- oder Nachtspeicherheizung oder einer älteren Gasheizung.

€

Steht im Einkommensteuerbescheid. Leer lassen, wenn Sie den Einkommensbonus nicht berechnen möchten.

Annahmen
%
%

Niemand kennt die künftigen Preise. Testen Sie verschiedene Werte.

Gesamtkosten über 20 Jahre

Wärmepumpe ist um 23.095 € günstiger

Vergleich

Wärmepumpe

Investition30.000 €
Zuschuss (46 %)− 12.880 €
Laufend, 1. Jahr1.813 €
20 Jahre gesamt60.085 €

Fernwärme

Investition10.000 €
Zuschuss (46 %)− 4.600 €
Laufend, 1. Jahr3.210 €
20 Jahre gesamt83.180 €
Start5 J.10 J.15 J.20 J.
WärmepumpeFernwärmeGestrichelt: Kosten gleichen sich nach 8 Jahren aus

Vereinfachte Rechnung ohne Finanzierungskosten und ohne Kosten für einen späteren Gerätetausch. Förderstand: KfW 458 nach der Reform vom 21. Juli 2026. Keine Beratung, siehe Methodik.

Was Sie jetzt tun können

  1. Gebiet prüfen. Schauen Sie in der Karte nach, welcher Gebietstyp für Ihre Adresse vorgesehen ist.
  2. Beim Versorger nachfragen. Liegt Ihr Haus in einem Wärmenetzgebiet, fragen Sie EnBW Energie Baden-Württemberg AG, ob und wann ein Anschluss möglich ist und was er kostet.
  3. Nicht unter Druck entscheiden. Solange Ihre Heizung funktioniert, gibt es keine Pflicht zum Austausch. Wer bis 31. Januar 2027 einen Förderantrag stellt, bekommt aber noch den höheren Klimageschwindigkeitsbonus.
  4. Unabhängig beraten lassen. Die Verbraucherzentrale und Energieberater aus der Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes beraten anbieterneutral.

Häufige Fragen

Muss ich in Stuttgart an die Fernwärme anschließen?

Nach aktuellem Stand nein. Die Stadt Stuttgart schreibt keinen flächendeckenden Anschluss- und Benutzungszwang für Bestandsbauten vor. Die Planung dient der Orientierung und Netzentwicklung.

Darf ich noch eine neue Gasheizung einbauen?

Ja. Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), das die 65-Prozent-Regel abgeschafft hat. Neue Gas- und Ölheizungen müssen aber ab 2029 einen steigenden Anteil klimafreundlicher Brennstoffe nutzen: 10 Prozent ab 2029, 15 Prozent ab 2030, 30 Prozent ab 2035 und 60 Prozent ab 2040 (Bio-Treppe). Das macht den Betrieb mit den Jahren teurer.

Ist der Wärmeplan für mich verbindlich?

Nein. Der Wärmeplan ist ein Planungsinstrument der Stadt. Er zeigt, wo die Stadt Wärmenetze für sinnvoll hält, verpflichtet Eigentümer aber nicht zu einer bestimmten Heizung und gibt keinen Anspruch auf einen Fernwärmeanschluss.

Wird ein Fernwärmeanschluss gefördert?

Ja. Der Anschluss an ein Wärmenetz ist in der KfW-Heizungsförderung (Programm 458) förderfähig. Seit dem 21. Juli 2026 gibt es 30 Prozent Grundförderung, für selbst nutzende Eigentümer zusätzlich den Klimageschwindigkeitsbonus von 16 Prozent bis 31. Januar 2027 und je nach Einkommen einen Einkommensbonus.

Quellen

  1. 1.Landeshauptstadt Stuttgart (Amt für Umweltschutz): Kommunale Wärmeplanung (abgerufen am 14.10.2026)
  2. 2.EnBW AG: Fernwärme in Stuttgart und Fuel Switch 2026 (abgerufen am 14.10.2026)
  3. 3.Preistransparenzplattform Fernwärme (AGFW, BDEW, VKU) (abgerufen am 14.10.2026)