Wärmepumpe im Altbau ohne Fußbodenheizung: Geht das?
Einer der hartnäckigsten Mythen lautet: „Eine Wärmepumpe funktioniert nur im Neubau mit Fußbodenheizung“. Was die Messdaten des Fraunhofer ISE beweisen und wie Sie mit dem 55-Grad-Test Ihr Haus selbst prüfen.
1. Die Physik dahinter: Der Wärmepumpe ist der Heizkörper egal
Der Wärmepumpe ist es physikalisch völlig gleichgültig, ob das erwärmte Wasser durch Kunststoffrohre im Estrich oder durch einen Rippen- bzw. Plattenheizkörper an der Wand fließt.
Der einzige technische Faktor, der über die Effizienz und die Stromkosten entscheidet, ist der Temperaturhub: Je geringer der Unterschied zwischen der Außentemperatur und der Vorlauftemperatur des Heizkreises ist, desto weniger Strom muss der Verdichter aufwenden.
Als Faustregel gilt: Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur senkt den Stromverbrauch der Wärmepumpe um ca. 2,5 Prozent.
2. Was zeigen die Realdaten? Die Fraunhofer ISE Feldstudie
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) hat im Projekt „WPsmart im Bestand“ über mehrere Heizperioden hinweg Wärmepumpen in unsanierten und teilsanierten Ein- und Zweifamilienhäusern (Baujahre 1850 bis 1999) detailliert messtechnisch überwacht:
- •Solide Effizienz ohne Sanierung: Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten in bestehenden Gebäuden mit herkömmlichen Heizkörpern im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,1. Das bedeutet: Aus 1.000 kWh Strom entstanden 3.100 kWh Heizwärme.
- •Selbst Baujahre vor 1979 funktionstüchtig: Auch Gebäude ohne nachträgliche Fassadendämmung erzielten bei sachgerechtem hydraulischem Abgleich JAZ-Werte von 2,8 bis 3,4.
- •Elektrischer Heizstab fast arbeitslos: Der oft gefürchtete elektrische Heizstab trug im Schnitt zu weniger als 1,5 Prozent der gesamten Jahreswärmearbeit bei.
3. Der 55-Grad-Wintertest: So prüfen Sie Ihr Haus selbst
Sie müssen kein teures Gutachten in Auftrag geben, um die Wärmepumpentauglichkeit Ihrer bestehenden Heizkörper zu ermitteln. Sie können den Test an einem kalten Tag mit Ihrer jetzigen Gas- oder Ölheizung selbst durchführen:
Testzeitpunkt abpassen
Warten Sie auf einen Tag mit Außentemperaturen um oder unter 0 °C (idealerweise ein trüber Wintertag ohne direkte Sonneneinstrahlung).
Vorlauftemperatur auf 55 °C begrenzen
Stellen Sie in der Regelung Ihrer bestehenden Heizung die maximale Vorlauftemperatur (oder die Heizkurve) auf maximal 55 °C ein. Schalten Sie die Nachtabsenkung für 48 Stunden aus.
Thermostate auf Wunschtemperatur
Drehen Sie die Thermostate in allen Wohnräumen auf Stufe 3 (entspricht ca. 20 °C). Lassen Sie das System 24 Stunden durchlaufen.
Das Testergebnis deuten:
• Alle Räume werden behaglich warm: Ihr Gebäude ist uneingeschränkt wärmepumpentauglich. Sie benötigen weder eine Fußbodenheizung noch neue Heizkörper.
• 1–2 Räume (z. B. das Bad oder das Eckzimmer im DG) bleiben kühl: Ihr Haus ist grundsätzlich tauglich! Es reicht aus, gezielt in diesen 1–2 Problemräumen den alten Heizkörper gegen ein größeres Modell (Typ 33) zu tauschen.
4. Heizkörper-Typen im Altbau: Was bringt der Tausch?
Moderne Kompaktheizkörper übertragen Wärme durch Konvektion und Strahlung wesentlich effektiver als alte Gussradiatoren:
| Heizkörper-Typ | Bauweise | Wärmeabgabe bei 55 °C | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Typ 11 | 1 Heizplatte, 1 Konvektionsblech | Gering | Im Altbau meist zu schwach; tauschen. |
| Typ 22 | 2 Heizplatten, 2 Konvektionsbleche | Mittel | Standard im Bestand; oft ausreichend. |
| Typ 33 | 3 Heizplatten, 3 Konvektionsbleche | Sehr hoch (+50 % vs. Typ 22) | Beste Lösung für Problemräume. |
Heizkörpertausch wird zu 70 % gefördert!
Wussten Sie, dass der Austausch von Heizkörpern und der hydraulische Abgleich über das KfW-Programm 458 voll bezuschusst werden?
Häufige Fragen zur Wärmepumpe mit Heizkörpern
Häufige Fragen
Funktioniert eine Wärmepumpe wirklich ohne Fußbodenheizung?
Ja, uneingeschränkt. Eine Wärmepumpe benötigt keine Fußbodenheizung, sondern lediglich eine ausreichend niedrige Vorlauftemperatur (idealerweise maximal 50 bis 55 °C an den kältesten Wintertagen). In den meisten Bestandsgebäuden sind die bestehenden Heizkörper durch frühere energetische Teilsanierungen (neue Fenster, Dachdämmung) bereits groß genug dimensioniert.
Wie mache ich den 55-Grad-Vorlauftemperatur-Test?
Stellen Sie an einem kalten Wintertag mit Außentemperaturen um oder unter 0 °C die maximale Vorlauftemperatur Ihrer aktuellen Gas- oder Ölheizung an der Regelung auf 55 °C fest ein. Drehen Sie die Heizkörperthermostate in den Wohnräumen auf Stufe 3 (ca. 20 °C). Wenn die Räume nach 24 bis 48 Stunden behaglich warm bleiben, ist Ihr Haus ohne bauliche Änderungen wärmepumpentauglich.
Was tun, wenn ein einzelnes Zimmer nicht warm genug wird?
Sie müssen keineswegs alle Heizkörper im Haus tauschen. Reicht die Wärme in einem Raum nicht aus, wird gezielt nur dieser eine Heizkörper gegen einen modernen 3-lagigen Kompaktheizkörper (Typ 33) oder einen Niedertemperatur-Heizkörper mit integriertem Leise-Lüfter getauscht.
Welche Jahresarbeitszahl (JAZ) erreichen Wärmepumpen im Altbau in der Praxis?
Die langjährige Feldstudie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) an über 300 Bestandsgebäuden ergab für Luft-Wasser-Wärmepumpen eine mittlere Jahresarbeitszahl von 3,1 (Spanne 2,5 bis 3,8). Mit 1 kWh Strom erzeugt die Wärmepumpe im Altbau somit im Durchschnitt 3,1 kWh nutzbare Heizwärme.
Wird der Austausch von Heizkörpern staatlich gefördert?
Ja. Wenn Sie Heizkörper im Zuge des Einbaus einer Wärmepumpe vergrößern, zählt dies als sogenannte 'Umfeldmaßnahme' nach der BEG-Richtlinie. Die Kosten für Heizkörper und Montage werden mit demselben Fördersatz (bis zu 70 % über das KfW-Programm 458) bezuschusst.